Dr. med. Sabine Pöstgens 
Dr. med. Harald Pöstgens  

Sehschule

Mit Sehschule bezeichnet man Einrichtungen an Universitäts-Augenkliniken, an Krankenhäusern oder in Arztpraxen, in denen Orthoptistinnen in Zusammenarbeit mit Ärzten arbeiten. Aufgabe der Orthoptistin ist die Verhütung, Erkennung (Diagnose) und Behandlung (Therapie) von Bewegungsstörungen der Augen (z.B. Schielen), Augenzittern (Nystagmus) und Sehschwächen (Amblyopie).

Schielen ist nicht nur ein Schönheitsfehler, kindliches Schielen oder eine nicht erkannte Fehlsichtigkeit kann bei fehlender Behandlung zu Dauerschäden führen (Schwachsichtigkeit, reduziertes räumliches Sehen -> eingeschränkter Führerschein, eingeschränkte Berufswahl).

Einseitige oder geringe Fehlsichtigkeiten sowie kleine Schielwinkel sind bei Kindern nicht von außen erkennbar, sondern nur durch spezielle Untersuchungen feststellbar. Dazu gehört immer eine allgemeine augenärztliche Untersuchung und eine objektive Ermittlung der Fehlsichtigkeit bei erweiterter Pupille (nach Gabe von Augentropfen). Vor einer Brillenverordnung bei Kindern ohne diese augenärztlichen Untersuchungen kann nur dringend gewarnt werden, da falsche Brillengläser bei Kindern eine bleibende Schädigung des Sehvermögens verursachen können!

Die Orthoptistin untersucht Art und Ausmaß des Schielens sowie die beidäugige Zusammenarbeit. Zur Behandlung gehört die entsprechende Brillenverordnung und ggf. die Okklusionsherapie (intervallmäßiges Abdecken des besseren Auges zur Aktivierung des sehschwachen Auges). Evtl. kann auch eine Schieloperaton erforderlich sein.

Bei Kindern und Jugendlichen mit Lernauffälligkeiten (Wahrnehmungsstörungen, Aufmerksamkeitsdefizite) gilt es abzuklären, ob Störungen des ein- oder beidäugigen Sehens als Ursache oder Verstärker der Lernschwierigkeiten in Frage kommen.

Eine normale Vorsorgeuntersuchung für Kinder wird von den Augenärzten im allgemeinen zwischen dem 2. und 3. Geburtstag empfohlen und besteht in unserer Praxis aus einem Termin ohne Augentropfen und einem zweiten Termin nach Gabe von den pupillenerweiternden Augentropfen (die Applikation der Augentropfen ist auch zu Hause möglich, um den Aufenthalt hier in der Praxis zu verkürzen). Da das Sehen und die Zusammenarbeit beider Augen sich in den ersten Lebensjahren noch entwickelt und bis zum 8. Lebensjahr verstärkt störungsanfällig ist, kann eine zu späte Diagnostik und Therapie ebenfalls zu bleibenden Störungen führen. Bei auffälligen Kindern (deutliches Schielen des Kindes, Schielen oder Schwachsichtigkeit der Eltern) sind daher auch frühere Untersuchungen im ersten Lebensjahr sinnvoll.